Erfolg ohne Chef – Wie Arbeit aussieht, die sich Mitarbeiter wünschen

Der Buchtitel verblüfft: Geht das denn? Kann doch gar nicht, meinen wir zu wissen dank unserer Erfahrung; aber sind das wirklich Erfahrungen, die wir unserem Urteil zugrunde legen oder doch nur  Gewohnheiten und Denkmuster? Der Autor und Firmeninhaber Gernot Pflüger lässt uns zunächst teilhaben an Beobachtungen am Arbeitsmarkt seiner Jugend- und Studentenzeitzeit. Lust und  Leistungsbereitschaft von Menschen schienen schnell zu erlahmen wegen der hierarchischen Strukturen,  der Gängelei, der Prinzipienreiterei, der Machtkämpfe, der Allzumenschlichkeit in den Betrieben. Was er  beschreibt, hat jeder schon mal am eigenen Leib erlebt; man kennt das.

Als er selbst die Chance zur  Übernahme einer kleinen Firma bekommt, will er das Potential seiner Mitarbeiter lebendig erhalten. Es  gibt zwar keine Theorie und kein echtes Konzept, aber die Absicht zu vermeiden, was ihm immer schon  als unwürdig und als Leistungsbremse erschien. Er wagt ein Experiment, das jetzt immerhin schon fast 20  Jahre andauert und mit dem er soooooo alleine gar nicht dasteht; es scheint eher Zeichen der Zeit zu  sein.

Alles ist transparent, jeder hat ein Mitspracherecht

Er bleibt zwar Inhaber der Firma, aber alle Aufträge, Zeitpläne, Kosten und Erträge sind den Mitarbeitern transparent; jeder hat ein Mitspracherecht bei kleinen wie auch bei den ganz großen Entscheidungen; alle bekommen das gleiche Gehalt; es gibt kein Gehaltsgefälle. Alle sind – soweit möglich und sinnvoll – für alles zuständig. Und über alles wird gesprochen – muss gesprochen werden! Denn nichts ist mehr selbstverständlich so wie früher.

Es gibt zum Schluss keine Theorien

Gernot Pflüger berichtet von all den gruppendynamischen Prozessen mit  ihren Aufs und Abs, von den Glanzleistungen, die erst durch diese Neuerungen möglich sind, aber auch von den Fehlern, die mangels Erfahrung erst noch schmerzlich gemacht werden mussten, von  wirtschaftlichem Erfolg und vom Preis der eigenen Sturheit und Blindheit. Eine Geschichte, die das Leben  schrieb und das macht das Buch so schön lebendig und intelligent; es gibt auch zum Schluss keine Theorie, die andere aufgreifen könnten, sondern nur Menschen, die sich selbst und sich gegenseitig im Arbeitsprozess als Menschen wahrzunehmen und zu respektieren versuchen. Dadurch wird Einsatzbereitschaft und Mitverantwortung provoziert, von denen andere Betreibe nur träumen  können. Trotzdem bleibt es bis heute ein Experiment – aber ein sehr spannendes!

Adelheid Heuger (Tauschring Lowi-Münster)

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